Der Rettungsdienst ist in Deutschland gut aufgestellt. Trotzdem vergehen vom Notruf bis zum Eintreffen in der Regel zehn Minuten oder mehr – auf dem Land und im Schwarzwald oft auch deutlich länger. Bei einem Kreislaufstillstand sinkt die Überlebenschance mit jeder Minute ohne Hilfe. Die wichtigste Person in den ersten Minuten sind deshalb Sie.
Erste Hilfe ist kein Expertenwissen. Sie brauchen keine Geräte, keine Medikamente und keine Ausbildung im Rettungsdienst. Sie brauchen ein klares Vorgehen, ein paar Handgriffe – und den Mut, anzufangen.
MerkeDas einzig Falsche in der Ersten Hilfe ist, nichts zu tun.
Die Rettungskette
Jeder Notfall wird in Schritten abgearbeitet, die wie Glieder einer Kette ineinandergreifen. Fällt ein Glied aus, reißt die Kette. Die ersten drei Glieder liegen in Ihrer Hand.
Die Rettungskette: Die ersten drei Glieder übernehmen Ersthelfende.
Sofortmaßnahmen: Notfallort absichern, Menschen aus Gefahr retten, lebensrettende Maßnahmen beginnen.
Notruf: 112 wählen oder wählen lassen – so früh wie möglich.
Weitere Erste Hilfe: Wunden versorgen, betreuen, beobachten, bis der Rettungsdienst übernimmt.
Ihre Rechte und Pflichten
In Deutschland ist jeder verpflichtet, bei Unglücksfällen Hilfe zu leisten, soweit das erforderlich und zumutbar ist (§ 323c Strafgesetzbuch). Niemand muss sich dabei selbst in Gefahr bringen. Schon der Notruf ist Hilfe.
Viele Menschen zögern aus Angst, etwas falsch zu machen. Diese Sorge ist unbegründet: Wer in einer Notlage hilft, haftet nur bei Vorsatz oder grober Fahrlässigkeit (§ 680 Bürgerliches Gesetzbuch). Wer sich ernsthaft bemüht, handelt richtig – auch wenn nicht alles perfekt gelingt.
Sie sind versichertErsthelfende stehen bei Unglücksfällen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung (§ 2 Sozialgesetzbuch VII). Das gilt für eigene Verletzungen und in der Regel auch für Sachschäden, etwa eine verschmutzte Jacke. Zuständig ist die Unfallkasse Ihres Bundeslandes – im Betrieb die Berufsgenossenschaft.
Eigenschutz geht vor
Sie helfen nur, wenn Sie selbst unverletzt bleiben. Verschaffen Sie sich deshalb zuerst einen Überblick: Was ist passiert? Welche Gefahren bestehen noch – Straßenverkehr, Feuer, Rauch, Strom, Gas, Absturz, Wasser? Gibt es weitere Betroffene?
Tragen Sie bei Wunden und Körperflüssigkeiten Einmalhandschuhe. Sie liegen in jedem Verbandkasten.
Ziehen Sie im Straßenverkehr eine Warnweste an, bevor Sie das Fahrzeug verlassen.
Betreten Sie keine Räume mit Rauch oder Gasgeruch. Rufen Sie die Feuerwehr.
Einmalhandschuhe schützen Sie und die verletzte Person.
Verkehrsunfall: die Unfallstelle absichern
Warnweste anziehen, bevor Sie aussteigen.Warndreieck in ausreichendem Abstand aufstellen.
Mit Abstand hinter der Unfallstelle anhalten, bei Dunkelheit möglichst so, dass Ihr Licht die Unfallstelle beleuchtet.
Warnweste anziehen, auf der verkehrsabgewandten Seite aussteigen.
Warndreieck vor dem Körper tragen und am Fahrbahnrand – möglichst hinter der Leitplanke – dem Verkehr entgegengehen.
Warndreieck aufstellen: innerorts etwa 50 m, auf Landstraßen etwa 100 m, auf Autobahnen mindestens 200 m vor der Unfallstelle. Vor Kurven und Kuppen früher aufstellen.
Das Warndreieck steht in Fahrtrichtung vor der Unfallstelle (Abstände nicht maßstäblich).
Retten aus der Gefahrenzone
Befindet sich eine Person in akuter Gefahr – etwa in einem brennenden Fahrzeug, auf einer Fahrbahn ohne Absicherung oder in einem verrauchten Raum –, bringen Sie sie aus dem Gefahrenbereich, sofern Sie sich dabei nicht selbst gefährden. In allen anderen Fällen bleibt die Person zunächst dort, wo sie ist.
Bei Bewusstlosen eignet sich der Rettungsgriff: Sie greifen von hinten unter beiden Achseln hindurch, fassen einen Unterarm der Person mit beiden Händen im Affengriff (Daumen an die Finger angelegt) und ziehen sie rückwärts aus der Gefahrenzone. Den Kopf stützen Sie dabei mit Ihrem Oberkörper ab.
Rettungsgriff: von hinten unter den Achseln hindurchgreifen und einen Unterarm fassen.
AchtungBei Gefahren durch Strom, Gas, Feuer oder Einsturz gilt: Abstand halten, Feuerwehr alarmieren, nur ohne eigene Gefährdung handeln.
Der Notruf 112
Die 112 erreichen Sie kostenlos, europaweit, von jedem Telefon und jedem Mobiltelefon, auch ohne Guthaben und ohne Entsperren. In der Leitstelle sitzen Fachleute, die Ihnen Fragen stellen und Sie anleiten. Sie müssen sich nichts merken – Sie müssen nur antworten.
Notruf 112 – am besten mit Lautsprecher, dann bleiben die Hände frei.
Wo
ist der Notfall? Ort, Straße, Hausnummer, Stockwerk, Firma, Halle – im Gelände markante Punkte.
Was
ist passiert? Unfall, Sturz, Person bewusstlos …
Wie viele
Betroffene gibt es?
Welche
Verletzungen oder Beschwerden haben sie?
Warten
Sie auf Rückfragen. Die Leitstelle beendet das Gespräch.
TippSchalten Sie Ihr Telefon auf Lautsprecher. So haben Sie beide Hände frei und die Leitstelle kann Sie bei Maßnahmen wie der Wiederbelebung direkt anleiten.
Schicken Sie, wenn möglich, eine weitere Person zur Straße oder zum Werkstor, die den Rettungsdienst einweist. Das spart wertvolle Minuten – besonders in großen Betrieben und abgelegenen Orten.
Weitere wichtige Nummern
112
Rettungsdienst und Feuerwehr
110
Polizei
116 117
Ärztlicher Bereitschaftsdienst (nicht lebensbedrohlich, außerhalb der Sprechzeiten)
0761 19240
Giftnotruf (Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg, zuständig für Baden-Württemberg)
nora
Offizielle Notruf-App der Bundesländer, auch für Menschen, die nicht telefonieren können
Betreuen – die unterschätzte Maßnahme
Ein Notfall ist für Betroffene ein Ausnahmezustand. Ihre Nähe und Ruhe wirken stärker, als viele denken.
Betreuen und vor Kälte schützen – zum Beispiel mit einer Rettungsdecke.
Sagen Sie, wer Sie sind und dass Hilfe unterwegs ist.
Bleiben Sie bei der Person, sprechen Sie ruhig, erklären Sie, was Sie tun.
Schützen Sie vor Blicken Schaulustiger und vor Kälte, Nässe oder Hitze. Eine Rettungsdecke hilft, egal mit welcher Seite nach außen – wichtig ist, dass sie eng anliegt.
Geben Sie nichts zu essen, nichts zu trinken und keine Zigarette.
Finden Sie eine Person, die am Boden liegt oder zusammengebrochen ist, gehen Sie immer nach demselben Schema vor. Es funktioniert bei Erwachsenen, Kindern und Säuglingen und gibt Ihnen Sicherheit, wenn die Aufregung groß ist.
Ablaufschema bei einer Person, die nicht oder kaum reagiert.
Schritt 1: Ansprechen und anfassen
Laut ansprechen und an beiden Schultern vorsichtig rütteln.
Knien Sie sich neben die Person und sprechen Sie sie laut an: „Hallo, hören Sie mich?“ Fassen Sie sie an beiden Schultern und rütteln Sie vorsichtig. Antwortet sie, öffnet sie die Augen oder bewegt sie sich gezielt, ist sie bei Bewusstsein. Dann fragen Sie nach Beschwerden, helfen entsprechend und rufen bei Bedarf den Notruf.
Schritt 2: Hilfe rufen und Atemwege freimachen
Kopf überstrecken und Kinn anheben – die Atemwege werden frei.
Reagiert die Person nicht, rufen Sie laut um Hilfe, damit weitere Menschen aufmerksam werden. Drehen Sie die Person auf den Rücken. Legen Sie eine Hand an die Stirn, zwei Finger der anderen Hand unter das Kinn und neigen Sie den Kopf vorsichtig nach hinten. So hebt sich die Zunge vom Rachen und die Atemwege werden frei.
Schritt 3: Atmung prüfen
Sehen, hören, fühlen – höchstens 10 Sekunden.
Halten Sie Ihr Ohr über Mund und Nase der Person und blicken Sie auf den Brustkorb – höchstens 10 Sekunden lang:
Sehen Sie, ob sich der Brustkorb hebt und senkt?
Hören Sie Atemgeräusche?
Fühlen Sie den Atemstrom an Ihrer Wange?
Achtung: SchnappatmungKurz nach einem Kreislaufstillstand zeigen viele Menschen vereinzelte, schnappende oder röchelnde Atemzüge. Das ist keine normale Atmung. Beginnen Sie sofort mit der Wiederbelebung. Im Zweifel gilt: drücken.
Sind Sie unsicher, schildern Sie der Leitstelle am Telefon, was Sie sehen. Die Fachleute dort helfen Ihnen bei der Entscheidung und leiten Sie an.
Warum Bewusstlosigkeit gefährlich ist
Bei Bewusstlosigkeit erschlaffen die Muskeln. In Rückenlage kann die Zunge nach hinten fallen und den Rachen verschließen. Außerdem fehlen Schutzreflexe wie Husten und Schlucken – Erbrochenes oder Blut kann in die Lunge gelangen. Die stabile Seitenlage verhindert beides.
So legen Sie die stabile Seitenlage an
Knien Sie sich seitlich neben die Person. Nehmen Sie eine Brille ab, entfernen Sie harte Gegenstände aus den Hosentaschen auf Ihrer Seite.
Legen Sie den Ihnen zugewandten Arm gerade oder leicht angewinkelt nach oben, die Handfläche zeigt nach oben. Er wird später der untere Arm.
Führen Sie den entfernten Arm über die Brust und legen Sie den Handrücken an die Ihnen zugewandte Wange. Halten Sie die Hand dort fest.
Greifen Sie mit der anderen Hand das entfernte Bein am Oberschenkel und winkeln Sie es an, sodass der Fuß flach am Boden steht.
Ziehen Sie am angewinkelten Bein die Person zu sich herüber auf die Seite.
Richten Sie das obere Bein so aus, dass Hüfte und Knie etwa rechtwinklig gebeugt sind.
Richten Sie den Kopf aus: Die Hand des oberen Arms liegt unter der Wange und dabei auf dem unteren Arm – so stützt sie den Kopf und das Gesicht liegt nicht direkt auf dem Boden. Kopf überstrecken und leicht nach unten drehen, sodass der Mundwinkel der tiefste Punkt ist. Mund leicht öffnen.
Rufen Sie den Notruf 112, falls noch nicht geschehen. Decken Sie die Person zu.
Stabile Seitenlage: Die obere Hand liegt unter der Wange auf dem unteren Arm, der Kopf ist überstreckt, der Mundwinkel zeigt nach unten.
MerkeBleiben Sie bei der Person und kontrollieren Sie die Atmung regelmäßig, mindestens jede Minute. Hört die normale Atmung auf: zurück in die Rückenlage und sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
BesonderheitenSchwangere legen Sie möglichst auf die linke Seite. Bei Verdacht auf eine Verletzung der Wirbelsäule hat die freie Atmung trotzdem Vorrang: Auch diese Person kommt in die stabile Seitenlage – so behutsam wie möglich.
Bei Kindern und SäuglingenKinder legen Sie wie Erwachsene in die stabile Seitenlage. Säuglinge können Sie auf dem Arm in Bauchlage halten, den Kopf leicht tiefer, sodass Flüssigkeit aus dem Mund ablaufen kann – oder ebenfalls auf die Seite legen, mit einem zusammengerollten Handtuch im Rücken.
Sonderfall: Helmabnahme
Helmabnahme zu zweit: Eine Person stützt Kopf und Nacken, die andere zieht den Helm ab.
Bei einer bewusstlosen Person mit Schutzhelm – etwa nach einem Motorrad- oder Fahrradunfall – müssen Sie den Helm abnehmen, um die Atmung prüfen und die Atemwege freihalten zu können. Das gelingt am besten zu zweit:
Helfer 1 kniet hinter dem Kopf und hält den Helm mit beiden Händen ruhig.
Helfer 2 öffnet das Visier, nimmt eine Brille ab und öffnet oder durchschneidet den Kinnriemen.
Helfer 2 umfasst Nacken und Unterkiefer und stützt so den Kopf.
Helfer 1 zieht den Helm vorsichtig nach hinten ab, dabei kippt er ihn leicht, um über Nase und Hinterkopf zu kommen.
Kopf behutsam ablegen, Atmung prüfen, weiter nach Schema.
Sind Sie allein, nehmen Sie den Helm trotzdem ab – langsam und mit möglichst wenig Bewegung des Kopfes.
Kurze Ohnmacht
Eine Ohnmacht ist ein kurzer Bewusstseinsverlust, oft ausgelöst durch langes Stehen, Hitze, Schreck oder Schmerz. Kündigt sie sich an (Schwindel, Schwarzwerden vor Augen), lassen Sie die Person sich hinsetzen oder hinlegen. Ist sie wieder wach, lagern Sie sie flach und heben die Beine leicht an. Erholt sie sich nicht innerhalb kurzer Zeit, verletzt sie sich beim Sturz oder tritt die Ohnmacht ohne erkennbaren Grund auf, rufen Sie den Notruf.
Den Kreislaufstillstand erkennen
Ein Kreislaufstillstand liegt vor, wenn eine Person nicht reagiert und nicht normal atmet. Mehr müssen Sie nicht feststellen – das Tasten des Pulses ist für Laien unzuverlässig und kostet Zeit. Nach drei bis fünf Minuten ohne Sauerstoff beginnen im Gehirn bleibende Schäden. Warten Sie deshalb nie auf den Rettungsdienst.
Herzdruckmassage
Person auf eine harte Unterlage legen – den Boden. Oberkörper freimachen.
Knien Sie sich seitlich neben den Brustkorb. Setzen Sie einen Handballen auf die Mitte der Brust (untere Hälfte des Brustbeins), die zweite Hand darauf. Verschränken Sie die Finger.
Arme gestreckt, Schultern senkrecht über dem Druckpunkt. Drücken Sie mit dem Gewicht Ihres Oberkörpers.
Drücken Sie das Brustbein 5 bis 6 cm tief ein, im Takt von 100 bis 120 Mal pro Minute.
Entlasten Sie nach jedem Druck vollständig, ohne die Hände abzuheben.
Arme gestreckt, Schultern senkrecht über dem Druckpunkt.Handballen auf die Mitte der Brust, Finger verschränkt.
Druckpunkt und die wichtigsten Zahlen der Wiederbelebung bei Erwachsenen.
Takt finden100 bis 120 Mal pro Minute – das ist das Tempo vieler bekannter Lieder. In unseren Kursen üben Sie den Takt an der Übungspuppe, bis er sitzt.
Beatmung
Nach 30 Drücken folgen zwei Beatmungen. Am besten geben Sie die Atemspende mit einer Taschenmaske (Beatmungsmaske): Setzen Sie die Maske über Mund und Nase der Person, halten Sie sie mit beiden Händen dicht und überstrecken Sie dabei den Kopf, das Kinn wird angehoben. Atmen Sie etwa eine Sekunde lang ruhig durch das Ventil ein – so viel, dass sich der Brustkorb sichtbar hebt.
Atemspende mit der Taschenmaske: Maske mit beiden Händen abdichten, Kopf überstrecken.
Haben Sie keine Maske zur Hand, beatmen Sie Mund-zu-Mund (Nase mit Daumen und Zeigefinger verschließen) oder Mund-zu-Nase (Mund geschlossen halten).
Die Unterbrechung der Herzdruckmassage für beide Beatmungen soll weniger als 10 Sekunden dauern. Hebt sich der Brustkorb nicht, machen Sie trotzdem mit 30 Drücken weiter und kontrollieren beim nächsten Mal die Kopfhaltung.
Wenn Sie nicht beatmen können oder wollenDrücken Sie ohne Pause weiter, 100 bis 120 Mal pro Minute. Eine durchgehende Herzdruckmassage ist viel besser als gar keine Hilfe.
Wie lange?
Setzen Sie die Wiederbelebung ohne Unterbrechung fort, bis
der Rettungsdienst übernimmt,
die Person wieder normal atmet, sich bewegt oder die Augen öffnet, oder
Sie körperlich erschöpft sind.
Sind mehrere Helfende vor Ort, wechseln Sie sich etwa alle zwei Minuten bei der Herzdruckmassage ab – der Wechsel soll so schnell wie möglich gehen.
Zu zweit: Eine Person drückt, die andere bedient den Defi.
Der Defibrillator (AED)
Häufigste Ursache eines plötzlichen Kreislaufstillstands bei Erwachsenen ist das Kammerflimmern: Das Herz zuckt unkoordiniert und pumpt kein Blut. Ein automatisierter externer Defibrillator (AED) kann das Herz mit einem Stromstoß wieder in einen normalen Rhythmus bringen. Das Gerät ist für Laien gebaut und spricht mit Ihnen. Sie können damit nichts falsch machen: Es gibt nur dann einen Stromstoß ab, wenn er nötig ist.
Lassen Sie den Defi holen, während Sie drücken. Er hängt meist an einem grünen Schild mit Herz und Blitz.
Gerät öffnen oder einschalten und den Sprachanweisungen folgen.
Elektroden auf die nackte, trockene Brust kleben: eine unterhalb des rechten Schlüsselbeins, eine seitlich links unterhalb der Achsel. Die Bilder auf den Elektroden zeigen es.
Während das Gerät den Herzrhythmus analysiert: Niemand berührt die Person.
Fordert das Gerät einen Schock: Alle zurücktreten, Schockknopf drücken – oder der Schock wird automatisch ausgelöst.
Sofort wieder mit 30 : 2 beginnen. Das Gerät meldet sich alle zwei Minuten erneut.
Der Defi hängt meist in einem gekennzeichneten Wandkasten.Elektroden auf die nackte Brust kleben – wie auf den Bildern der Elektroden gezeigt.
Gut zu wissenStarke Brustbehaarung kurz wegrasieren (Rasierer liegt oft im Gerät), nasse Haut abtrocknen, Medikamentenpflaster entfernen. Bei sichtbar implantiertem Herzschrittmacher die Elektrode etwas daneben kleben. Schmuck darf bleiben.
Wiederbelebung bei Kindern und Säuglingen
Bei Kindern ist ein Kreislaufstillstand meist die Folge eines Sauerstoffmangels – etwa durch Ersticken, Ertrinken oder eine schwere Atemwegserkrankung. Deshalb beginnen Sie bei Kindern mit Beatmungen.
Reagiert das Kind nicht und atmet nicht normal: Notruf 112 – am besten über Lautsprecher, dann bleiben Sie beim Kind.
Atemwege freimachen: beim Kind den Kopf leicht überstrecken, beim Säugling den Kopf in Neutralstellung lassen (Gesicht schaut gerade nach oben).
5 Beatmungen geben – am besten mit einer Kinder- oder Babymaske. Ohne Maske umschließen Sie beim Säugling Mund und Nase gleichzeitig mit Ihrem Mund. Nur so viel Luft geben, dass sich der Brustkorb hebt.
Danach im Wechsel 30 × drücken und 2 × beatmen.
Drucktiefe etwa ein Drittel des Brustkorbs: beim Kind etwa 5 cm (ein oder zwei Handballen), beim Säugling etwa 4 cm.
Beim Säugling drücken Sie mit zwei Fingerspitzen – oder Sie umfassen den Brustkorb mit beiden Händen und drücken mit beiden Daumen.
Herzdruckmassage beim Kind: ein Handballen, Arm gestreckt.
Säugling: zwei Fingerspitzen auf der Mitte der Brust.Beatmung beim Säugling mit der Babymaske, Kopf in Neutralstellung.
Defi bei KindernEin AED darf auch bei Kindern eingesetzt werden. Hat das Gerät Kinderelektroden oder einen Kinderschalter, nutzen Sie diese. Sonst kleben Sie die normalen Elektroden – bei kleinen Kindern eine vorn auf die Brust und eine auf den Rücken.
LehrhinweisDiese Unterlage folgt dem Lehrkonzept der EH Campus nach dem VpEH-Leitfaden (Verband der privaten Erste-Hilfe-Schulen) und unterrichtet auch bei Kindern das Verhältnis 30 : 2. So müssen Sie sich nur einen Rhythmus merken.
Leichte oder schwere Verlegung?
Entscheidend ist eine Frage: Kann die Person noch kräftig husten?
Leichte Verlegung
Schwere Verlegung
hustet kräftig, kann sprechen, atmet
kann nicht husten, nicht sprechen, kaum atmen; greift sich an den Hals, läuft blau an
Zum kräftigen Husten auffordern, beobachten
Sofort Rückenschläge, dann Oberbauchkompressionen
So helfen Sie Erwachsenen und Kindern über einem Jahr
Stellen Sie sich seitlich hinter die Person, beugen Sie ihren Oberkörper nach vorn und stützen Sie ihn mit einer Hand an der Brust.
Schlagen Sie mit dem Handballen bis zu 5 Mal kräftig zwischen die Schulterblätter. Prüfen Sie nach jedem Schlag, ob sich der Fremdkörper gelöst hat.
Hilft das nicht: Stellen Sie sich hinter die Person, legen Sie eine Faust zwischen Nabel und Brustbeinspitze, umfassen Sie sie mit der anderen Hand und ziehen Sie bis zu 5 Mal kräftig ruckartig nach innen und oben (Oberbauchkompression, sogenannter Heimlich-Handgriff).
Wechseln Sie 5 Rückenschläge und 5 Oberbauchkompressionen ab, bis der Fremdkörper heraus ist oder die Person bewusstlos wird.
Wird die Person bewusstlos: vorsichtig zu Boden bringen, Notruf 112, sofort mit der Wiederbelebung beginnen.
Immer zum ArztNach Oberbauchkompressionen muss die Person ärztlich untersucht werden – innere Verletzungen sind möglich, auch wenn es ihr gut geht.
Säuglinge unter einem Jahr
Legen Sie den Säugling bäuchlings auf Ihren Unterarm, den Kopf tiefer als den Körper. Halten Sie den Kopf am Unterkiefer, ohne den Hals zu drücken.
Bis zu 5 Schläge mit dem Handballen zwischen die Schulterblätter.
Säugling auf den Rücken drehen, Kopf weiterhin tief. Bis zu 5 Brustkorbkompressionen am Druckpunkt der Wiederbelebung – ruckartiger und etwas langsamer als bei der Wiederbelebung.
Abwechseln, bis der Fremdkörper heraus ist. Wird der Säugling bewusstlos: Notruf, Wiederbelebung.
Rückenschläge beim Säugling: bäuchlings, Kopf tiefer als der Körper.
Keine Bauchstöße bei SäuglingenBei Säuglingen keine Oberbauchkompressionen – die Organe im Bauch sind zu empfindlich. Greifen Sie nie blind mit dem Finger in den Mund. Nur was Sie sehen und sicher fassen können, dürfen Sie entfernen.
Insektenstich im Mund
Eis lutschen lassen und den Hals von außen kühlen.
Ein Stich im Mund- oder Rachenraum kann die Atemwege zuschwellen lassen. Lassen Sie die Person Eis lutschen oder kaltes Wasser in kleinen Schlucken trinken, kühlen Sie den Hals von außen und rufen Sie sofort den Notruf.
Was passiert beim Schock?
Beim Schock reicht der Blutkreislauf nicht mehr aus, um die Organe mit Sauerstoff zu versorgen. Häufige Ursachen sind starker Blutverlust (auch innerlich, etwa bei Knochenbrüchen oder Bauchverletzungen), großflächige Verbrennungen, schwere allergische Reaktionen oder ein Herzinfarkt. Der Körper versucht gegenzusteuern und zieht das Blut aus Armen, Beinen und Haut zurück.
So erkennen Sie einen Schock
blasse, kalte, oft schweißnasse Haut
Frieren, Zittern
Unruhe, Angst, später Teilnahmslosigkeit
schneller, schwacher Puls, schnelle Atmung
Durst, Schwindel
So helfen Sie
Ursache bekämpfen, wenn möglich – vor allem Blutungen stillen.
Notruf 112.
Person flach auf den Rücken legen. Bei Blutverlust ohne Verletzung von Beinen, Becken oder Wirbelsäule die Beine leicht erhöht lagern.
Vor Wärmeverlust schützen: Decke unterlegen und zudecken.
Betreuen, beruhigen, beobachten. Nichts zu trinken geben.
AchtungBei Atemnot, Brustschmerz oder einer Kopfverletzung keine Beine hochlagern – hier hilft ein leicht erhöhter Oberkörper.
Schwere allergische Reaktion
Insektenstiche, Nahrungsmittel (etwa Nüsse) oder Medikamente können eine schwere allergische Reaktion auslösen. Sie entwickelt sich oft innerhalb von Minuten.
So erkennen Sie sie
Juckreiz, Quaddeln, Rötung der Haut
Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen
Atemnot, pfeifende Atmung, Heiserkeit
Übelkeit, Erbrechen, Schwindel bis zum Kreislaufzusammenbruch
So helfen Sie
Auslöser entfernen, wenn möglich (z. B. Bienenstachel herauskratzen).
Notruf 112 bei Atemnot oder Kreislaufbeschwerden.
Hat die Person ein Notfallset mit Adrenalin-Fertigspritze, helfen Sie bei der Anwendung: in die Außenseite des Oberschenkels, notfalls durch die Hose.
Bei Atemnot sitzend lagern, bei Kreislaufproblemen liegend.
Grundsätze der Wundversorgung
Einmalhandschuhe tragen – zu Ihrem und zum Schutz der verletzten Person.
Wunden nicht berühren, keine Salben, Puder, Sprays oder Hausmittel.
Kleine, stark verschmutzte Schürfwunden dürfen Sie mit sauberem Trinkwasser ausspülen.
Fremdkörper in der Wunde belassen.
Wunde keimfrei bedecken – mit Pflaster, Kompresse, Verbandpäckchen oder Verbandtuch.
Kleine Wunde am Finger: Fingerkuppenpflaster.
Tetanus nicht vergessenÜber jede Wunde können Erreger des Wundstarrkrampfs eindringen. Der Impfschutz sollte alle zehn Jahre aufgefrischt werden. Bei tiefen oder verschmutzten Wunden, Tierbissen und unklarem Impfstatus zum Arzt.
Verbandmittel aus dem Verbandkasten
Wundschnellverband
Pflaster für kleine Wunden
Verbandpäckchen
Binde mit fest aufgenähter Wundauflage – für den Druckverband
Kompressen und Fixierbinden
Wundauflagen mit Binde zum Befestigen
Verbandtuch
große keimfreie Auflage, z. B. für Verbrennungen
Dreiecktuch
zum Ruhigstellen und Befestigen, z. B. Armtragetuch
Starke Blutungen
Spritzt oder strömt Blut aus einer Wunde, handeln Sie sofort – die Blutstillung hat dann Vorrang vor allem anderen.
Person hinsetzen oder hinlegen lassen. Notruf 112 veranlassen.
Verletzten Arm hochhalten oder hochhalten lassen. Bis der Druckverband sitzt, kann eine zweite Person die Blutung zusätzlich durch Abdrücken an der Innenseite des Oberarms verringern.
Mit keimfreier Wundauflage (oder notfalls einem sauberen Tuch) fest direkt auf die Wunde drücken.
Einen Druckverband anlegen.
Person flach lagern, zudecken, betreuen – und auf Zeichen eines Schocks achten.
Arm hochhalten und an der Innenseite des Oberarms abdrücken.
Wundauflage des Verbandpäckchens auf die Wunde legen und mit zwei, drei Bindengängen befestigen.
Ein Druckpolster – etwa ein zweites, ungeöffnetes Verbandpäckchen – genau über der Wunde auflegen.
Die Binde mit kräftigem Zug weiter um Polster und Arm wickeln und das Ende verknoten oder feststecken.
Blutet der Verband durch, legen Sie einen zweiten Druckverband darüber oder drücken mit der Hand fest auf den Verband, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Fertiger Druckverband am Unterarm.
Wenn der Druckverband nicht reicht: das Abbindesystem
Bei lebensbedrohlichen Blutungen an Arm oder Bein, die sich mit Druck nicht stillen lassen – zum Beispiel nach Abtrennung einer Gliedmaße oder bei mehreren Verletzten –, kann ein Abbindesystem (Tourniquet) Leben retten. Sie legen es eine Handbreit oberhalb der Wunde an, nicht über einem Gelenk, und ziehen es so fest, bis die Blutung steht. Notieren Sie die Uhrzeit und lösen Sie es nicht mehr. Abbindesysteme sind in vielen Betrieben inzwischen Teil der Erste-Hilfe-Ausstattung; die Handhabung üben Sie im Kurs.
Abbindesystem eine Handbreit oberhalb der Wunde anlegen, nicht über einem Gelenk.
Abgetrennte Körperteile
Stillen Sie zuerst die Blutung. Das abgetrennte Teil (Amputat) wickeln Sie ungereinigt in ein keimfreies, trockenes Verbandtuch, stecken es in einen Plastikbeutel und legen diesen in einen zweiten Beutel mit kaltem Wasser und, wenn vorhanden, Eis. Das Amputat darf nie direkt mit Eis oder Wasser in Berührung kommen. Geben Sie es dem Rettungsdienst mit.
Fremdkörper in Wunden
Ziehen Sie eingedrungene Gegenstände – etwa einen Nagel, eine Glasscherbe oder ein Messer – nicht heraus. Sie verschließen die Wunde oft selbst. Polstern Sie den Fremdkörper mit Kompressen oder Mullbinden rundherum ab, fixieren Sie ihn so gegen Bewegung und rufen Sie den Notruf.
Fremdkörper nicht herausziehen, sondern rundherum abpolstern.
Nasenbluten
Kopf leicht nach vorn beugen, damit kein Blut in den Rachen läuft.
Beide Nasenflügel etwa 10 Minuten zusammendrücken.
Kalter Umschlag in den Nacken kann helfen.
Hört die Blutung nicht auf oder tritt sie nach einem Schlag auf den Kopf auf: zum Arzt bzw. Notruf.
Kopf nach vorn beugen und die Nasenflügel zusammendrücken.
Weitere häufige Verletzungen
Bisswunden von Tieren oder Menschen infizieren sich leicht. Bedecken Sie sie keimfrei und lassen Sie sie immer ärztlich versorgen.
Zeckenstiche: Entfernen Sie die Zecke möglichst schnell mit einer Zeckenkarte oder Pinzette, hautnah gefasst und gerade herausgezogen. Beobachten Sie die Stelle mehrere Wochen. Bildet sich ein sich ausbreitender roter Ring oder treten grippeähnliche Beschwerden auf, gehen Sie zum Arzt. Baden-Württemberg gehört zu den FSME-Risikogebieten – eine Impfung ist möglich.
Fremdkörper im Auge: Nicht reiben. Lose Staubkörner lassen sich oft mit klarem Wasser ausspülen. Steckt etwas im Auge fest, bedecken Sie beide Augen locker, damit sie stillhalten, und bringen Sie die Person zum Augenarzt.
Ausgeschlagener Zahn: Nur an der Krone anfassen, nicht abwischen. In einer Zahnrettungsbox oder notfalls in kalter Milch aufbewahren und sofort zum Zahnarzt.
Bei KindernKinder brauchen bei kleinen Wunden vor allem Trost. Ein buntes Pflaster und Ihre ruhige Stimme wirken Wunder. Bei Kopfplatzwunden blutet es oft stark – drücken Sie eine Kompresse auf und bringen Sie das Kind zum Arzt.
Herzinfarkt
Beim Herzinfarkt verschließt sich ein Herzkranzgefäß. Ein Teil des Herzmuskels wird nicht mehr durchblutet und stirbt ab. Jede Minute bis zur Behandlung im Krankenhaus zählt.
So erkennen Sie ihn
starke Schmerzen, Druck oder Enge in der Brust, länger als fünf Minuten
Ausstrahlung in Arme, Hals, Kiefer, Rücken oder Oberbauch
Atemnot, Angst, kalter Schweiß, Übelkeit
Nicht immer typischBesonders bei Frauen, älteren Menschen und Menschen mit Zuckerkrankheit zeigt sich ein Herzinfarkt oft nur durch Übelkeit, Oberbauchschmerzen, Atemnot oder ungewöhnliche Müdigkeit.
So helfen Sie
Sofort Notruf 112 – auch im Zweifel.
Oberkörper erhöht lagern, die Person soll sich nicht mehr bewegen.
Bei eigenen, ärztlich verordneten Notfallmedikamenten der Person helfen.
Defi bereithalten lassen. Bei Bewusstlosigkeit nach Schema vorgehen.
Bei Brustschmerz: Oberkörper hoch, beruhigen, Notruf 112.
Schlaganfall
Beim Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr durchblutet – durch ein verschlossenes oder ein geplatztes Gefäß. Viele Schlaganfälle lassen sich heute gut behandeln, aber nur in den ersten Stunden. Merken Sie sich den FAST-Test:
F
Gesicht: Bitten Sie die Person zu lächeln. Hängt ein Mundwinkel?
A
Arme: Beide Arme nach vorn strecken, Handflächen nach oben. Sinkt ein Arm ab?
S
Sprache: Einen einfachen Satz nachsprechen lassen. Ist die Sprache verwaschen oder unverständlich?
T
Zeit: Sofort 112 – und merken Sie sich, wann die Beschwerden begonnen haben.
Armhalteversuch: Sinkt ein Arm ab, ist das ein Warnzeichen.
Weitere Zeichen können plötzliche Seh- oder Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und heftiger Kopfschmerz sein. Lagern Sie die Person mit leicht erhöhtem Oberkörper, geben Sie nichts zu essen oder zu trinken und betreuen Sie sie.
Atemnot und Asthma
Bei einem Asthmaanfall verengen sich die Atemwege. Die Person ringt nach Luft, das Ausatmen fällt schwer, oft pfeift die Atmung.
Beruhigen, Fenster öffnen, enge Kleidung lockern.
Aufrecht hinsetzen lassen, Arme auf die Oberschenkel oder einen Tisch gestützt (Kutschersitz).
Langsam durch die locker aufeinanderliegenden Lippen ausatmen lassen (Lippenbremse).
Beim eigenen Notfallspray helfen. Bessert sich die Atemnot nicht schnell: Notruf 112.
Kutschersitz: aufrecht sitzen, Arme auf die Oberschenkel stützen.
Hyperventilation
Bei Aufregung oder Angst atmen manche Menschen zu schnell und zu tief. Es kribbelt in Händen und um den Mund, die Finger verkrampfen. Sprechen Sie ruhig mit der Person, schirmen Sie sie von Zuschauern ab und atmen Sie langsam mit ihr gemeinsam. Tritt das zum ersten Mal auf oder beruhigt sich die Atmung nicht, holen Sie ärztliche Hilfe – auch andere Erkrankungen können dahinterstecken.
Unterzuckerung
Menschen mit Zuckerkrankheit (Diabetes) können durch zu viel Insulin, zu wenig Essen oder viel Bewegung in eine Unterzuckerung geraten.
So erkennen Sie sie
Zittern, Schweißausbruch, Heißhunger, Herzklopfen
Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen, auffälliges Verhalten – manchmal wirkt die Person wie betrunken
bis zu Krampfanfall und Bewusstlosigkeit
So helfen Sie
Ist die Person wach und kann schlucken: Traubenzucker oder ein zuckerhaltiges Getränk (Saft, Limonade – keine Light-Getränke) geben.
Bessert sich der Zustand nicht innerhalb von etwa 15 Minuten: Notruf.
Bei Bewusstlosigkeit: nichts in den Mund geben, stabile Seitenlage, Notruf 112.
Bei Unterzuckerung: Saft oder Traubenzucker, wenn die Person schlucken kann.
Krampfanfall
Bei einem großen Krampfanfall stürzt die Person, verkrampft und zuckt am ganzen Körper. Meist endet der Anfall nach ein bis drei Minuten von selbst.
Gefährliche Gegenstände wegräumen, Kopf mit einer Jacke abpolstern.
Die Person nicht festhalten und nichts zwischen die Zähne schieben.
Auf die Uhr schauen: Wie lange dauert der Anfall?
Nach dem Anfall Atmung prüfen und in die stabile Seitenlage bringen. Die Person ist oft noch lange verwirrt und müde.
Notruf 112 beim ersten Anfall, wenn er länger als fünf Minuten dauert, sich wiederholt oder die Person sich verletzt hat.
Krampfanfall: Gegenstände wegräumen, Kopf abpolstern, nicht festhalten.
FieberkrampfBei Kleinkindern kann ein schneller Fieberanstieg einen Krampfanfall auslösen. Das ist für Eltern sehr beängstigend, verläuft aber meist harmlos. Schützen Sie das Kind vor Verletzungen, entfernen Sie warme Kleidung, rufen Sie den Notruf und bringen Sie das Kind nach dem Anfall in die stabile Seitenlage.
Akute Bauchschmerzen
Plötzliche, starke Bauchschmerzen können viele Ursachen haben – vom Blinddarm bis zur Gallenkolik. Lagern Sie die Person so, wie es für sie am angenehmsten ist, oft mit einer Rolle unter den Knien. Geben Sie nichts zu essen oder zu trinken und rufen Sie den Notruf, wenn die Schmerzen stark sind oder Schockzeichen hinzukommen.
Prellung, Zerrung, Verstauchung
Schmerz, Schwellung und ein Bluterguss sind die typischen Zeichen. Hier hilft die bewährte PECH-Regel:
P
Pause: Belastung sofort beenden.
E
Eis: Kühlen mit Kühlkompresse oder Eis – nie direkt auf die Haut, immer mit einem Tuch dazwischen. Unterbrechen, wenn es unangenehm wird.
C
Druck (Compression): Einen leichten Druckverband anlegen, um die Schwellung zu begrenzen.
H
Hochlagern: Das verletzte Körperteil über Herzhöhe lagern.
Hochlagern und kühlen – das Kühlelement nie direkt auf die Haut.
beim offenen Bruch: Wunde, eventuell sichtbare Knochenteile
So helfen Sie
Bruchstelle nicht bewegen und nicht einrenken.
In der vorgefundenen Lage ruhigstellen, etwa mit zusammengerollten Decken, Kleidung oder Kissen.
Offene Brüche keimfrei bedecken.
Arm- und Schulterverletzungen: Die Person hält den Arm meist selbst in der angenehmsten Position. Ein Armtragetuch aus dem Dreiecktuch kann entlasten.
Notruf 112 bei Brüchen an Bein, Becken, Wirbelsäule oder bei offenen Brüchen. Auf Schockzeichen achten.
Armtragetuch aus dem Dreiecktuch.
Kopfverletzungen
Eine Beule kühlen – mit einem Tuch zwischen Kühlelement und Haut.
Nach einem Schlag oder Sturz auf den Kopf kann eine Gehirnerschütterung oder eine Blutung im Schädel vorliegen. Warnzeichen sind kurze Bewusstlosigkeit, Erinnerungslücken, Kopfschmerz, Übelkeit, Erbrechen, Schwindel und zunehmende Schläfrigkeit.
Person nicht allein lassen und regelmäßig ansprechen.
Notruf 112 bei Bewusstseinsstörung, wiederholtem Erbrechen oder Blut und Flüssigkeit aus Nase oder Ohren. Bei Bewusstlosigkeit nach Schema handeln.
Verdacht auf Wirbelsäulenverletzung
Nach Stürzen aus größerer Höhe, Badeunfällen mit Kopfsprung oder schweren Verkehrsunfällen müssen Sie an eine Verletzung der Wirbelsäule denken – besonders bei Nacken- oder Rückenschmerzen, Kribbeln oder Lähmungen.
Ist die Person wach: Sie soll sich nicht bewegen. Kopf mit beiden Händen in der vorgefundenen Lage halten, Notruf 112.
Ist sie bewusstlos und atmet: Freie Atemwege gehen vor – stabile Seitenlage, so behutsam wie möglich.
Verletzungen von Brustkorb und Bauch
Bei Brustkorbverletzungen ist oft die Atmung erschwert. Lagern Sie die Person mit erhöhtem Oberkörper, bedecken Sie offene Wunden locker keimfrei und rufen Sie den Notruf. Bei Bauchverletzungen helfen eine Rolle unter den Knien und ein leicht erhöhter Oberkörper, die Bauchdecke zu entspannen. Fremdkörper belassen, keimfrei abdecken, nichts zu trinken geben.
Verbrennungen und Verbrühungen
Brennende Kleidung löschen – mit einer Decke, durch Wälzen am Boden oder mit dem Feuerlöscher (nicht ins Gesicht).
Kleinflächige Verbrennungen, etwa an der Hand, sofort in einem Wasserbad mit lauwarmem Wasser kühlen, zum Beispiel in einer Schüssel – nicht unter fließendem Wasser. Kühlen, bis der Schmerz nachlässt, etwa 10 bis 20 Minuten. Kein Eiswasser.
Großflächige Verbrennungen nicht kühlen – es droht eine Unterkühlung, besonders bei Kindern.
Kleidung, die nicht festklebt, vorsichtig entfernen; bei Verbrühungen sofort. Festgeklebte Kleidung belassen. Ringe und Uhren abnehmen, bevor die Hand anschwillt.
Brandwunden locker und keimfrei mit einem Verbandtuch abdecken. Keine Salben, kein Mehl, kein Öl, keine Brandblasen öffnen.
Zudecken, betreuen, Notruf 112 bei größeren Flächen.
Kleinflächige Verbrennung im lauwarmen Wasserbad kühlen.
HandflächenregelDie Handfläche der verletzten Person entspricht etwa 1 % ihrer Körperoberfläche. Bei Erwachsenen ab etwa 10 %, bei Kindern schon ab etwa 5 % sowie bei Verbrennungen von Gesicht, Händen, Füßen oder im Genitalbereich gehört die Person in ärztliche Behandlung – meist über den Notruf.
Hitzschlag: in den Schatten bringen und kräftig kühlen.
LebensgefahrEin Hitzschlag ist ein lebensbedrohlicher Notfall – etwa bei schwerer Arbeit in der Hitze oder bei Kindern im aufgeheizten Auto.
Unterkühlung und Erfrierungen
Unterkühlung droht nicht nur im Winter, sondern auch nach Badeunfällen oder bei Verletzten, die lange auf kaltem Boden liegen.
Vor weiterer Kälte schützen, nasse Kleidung vorsichtig entfernen, in Decken hüllen.
Stark unterkühlte Menschen möglichst wenig bewegen, nicht abreiben, keinen Alkohol geben.
Ist die Person wach, warme, gezuckerte Getränke geben.
Erfrorene Körperteile (oft Finger, Zehen, Ohren) nicht reiben, locker keimfrei bedecken, Notruf bzw. Arzt.
Unterkühlung: in Decken hüllen, warme gezuckerte Getränke, wenn die Person wach ist.
Stromunfälle
Strom ist unsichtbar. Berühren Sie eine verunglückte Person erst, wenn der Stromkreis sicher unterbrochen ist.
Haushalts- und Niederspannung (z. B. 230 Volt): Stecker ziehen, Sicherung ausschalten oder Gerät abschalten. Erst dann helfen.
Hochspannung (Freileitungen, Bahnanlagen, Umspannwerke): mindestens 5 Meter Abstand halten, Notruf 112 – nur Fachpersonal darf abschalten.
Nach jedem Stromunfall: Erste Hilfe nach Schema, Brandwunden an Ein- und Austrittsstelle keimfrei bedecken und immer ärztlich untersuchen lassen – Herzrhythmusstörungen können noch Stunden später auftreten.
Vergiftungen
Gifte können geschluckt, eingeatmet oder über die Haut aufgenommen werden. Je nach Stoff zeigen sich Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Schwindel, Atemnot, Krämpfe oder Bewusstseinsstörungen – manchmal erst nach Stunden.
Bei Bewusstlosigkeit, Atemnot oder Krämpfen: Notruf 112.
Sonst: Giftnotruf 0761 19240 anrufen. Halten Sie Alter und Gewicht der Person, den Stoff, die Menge und die Uhrzeit bereit.
Kein Erbrechen auslösen, keine Milch, kein Salzwasser.
Reste, Verpackungen und Erbrochenes aufbewahren und dem Rettungsdienst mitgeben.
Gase und Rauch
Kohlenmonoxid entsteht etwa bei Bränden, defekten Heizungen oder Grills in geschlossenen Räumen. Es ist geruchlos und sehr gefährlich. Betreten Sie keine verrauchten oder verdächtigen Räume. Öffnen Sie, wenn gefahrlos möglich, Fenster und Türen von außen, und rufen Sie die Feuerwehr über 112. Gerettete Personen gehören immer in ärztliche Behandlung.
Verätzungen
Säuren und Laugen – etwa aus Reinigern, Batterien oder dem Betrieb – zerstören Gewebe. Schnelles Spülen mit Wasser ist die wichtigste Maßnahme.
Haut: Durchtränkte Kleidung sofort entfernen (Handschuhe!), Haut lange mit viel Wasser spülen.
Auge: Sofort mit viel Wasser spülen – mindestens 10 bis 15 Minuten. Neigen Sie den Kopf zur Seite, sodass das verletzte Auge unten liegt, und spülen Sie von innen nach außen, also von der Nase weg. So läuft das Wasser nicht ins gesunde Auge. Im Betrieb eine Augenspülflasche oder Augendusche nutzen. Danach zum Augenarzt bzw. Notruf.
Mund und Speiseröhre: Mund ausspülen lassen, Wasser in kleinen Schlucken trinken lassen, kein Erbrechen auslösen, Notruf 112.
Augenspülung: verletztes Auge unten, von innen nach außen spülen.
Kinder schützenDie meisten Vergiftungen bei Kindern passieren im Haushalt – mit Medikamenten, Reinigern, Spülmaschinentabs, Lampenöl oder Zigaretten. Bewahren Sie solche Dinge immer verschlossen und außer Reichweite auf, und füllen Sie nie Chemikalien in Getränkeflaschen um.
Wer ist verantwortlich?
Der Unternehmer muss dafür sorgen, dass im Betrieb wirksame Erste Hilfe geleistet werden kann – mit ausgebildeten Ersthelfenden, Erste-Hilfe-Material, Meldeeinrichtungen und klaren Abläufen. Grundlage ist die Unfallverhütungsvorschrift „Grundsätze der Prävention“ (DGUV Vorschrift 1).
Betrieb
Mindestens erforderliche Ersthelfende
2 bis 20 anwesende Beschäftigte
1 Person
mehr als 20 – Verwaltungs- und Handelsbetriebe
5 % der anwesenden Beschäftigten
mehr als 20 – sonstige Betriebe
10 % der anwesenden Beschäftigten
Kindertageseinrichtungen
eine Person je Kindergruppe
Für Bildungseinrichtungen, Baustellen und Betriebe mit besonderen Gefährdungen gelten zum Teil weitere Regeln. Ihre Fachkraft für Arbeitssicherheit, der Betriebsarzt oder Ihre Berufsgenossenschaft beraten Sie.
Aus- und Fortbildung
Die Ausbildung zum betrieblichen Ersthelfer umfasst 9 Unterrichtseinheiten.
Spätestens nach zwei Jahren ist eine Fortbildung mit ebenfalls 9 Unterrichtseinheiten nötig. Ist die Frist überschritten, muss in der Regel die Ausbildung wiederholt werden.
Die Kosten trägt die Berufsgenossenschaft bzw. Unfallkasse, wenn der Kurs bei einer ermächtigten Stelle stattfindet – wie bei der EH Campus.
Was gehört zur Ausstattung?
Betriebsverbandkasten mit Kompressen, Binden, Schere und Rettungsdecke.
Verbandkasten: Der kleine Betriebsverbandkasten nach DIN 13157 oder der große nach DIN 13169 – Anzahl und Größe richten sich nach Betriebsart und Beschäftigtenzahl. Kontrollieren Sie regelmäßig Vollständigkeit und Haltbarkeitsdatum.
Aushang „Erste Hilfe“ mit Notrufnummern, Namen der Ersthelfenden und dem nächsten Durchgangsarzt.
je nach Betrieb: Defibrillator, Augenspülflasche, Abbindesystem, Rettungsdecken, Krankentrage.
Die Aufbewahrungsorte sind mit dem weißen Kreuz auf grünem Grund gekennzeichnet.
Dokumentation
Jede Erste-Hilfe-Leistung wird dokumentiert – auch das kleinste Pflaster. Dafür gibt es das Verbandbuch bzw. den Meldeblock. Notieren Sie Datum, Uhrzeit, Ort, Hergang, Art der Verletzung, Zeugen, die geleistete Hilfe und die Namen von Verletzter und Ersthelfer. Die Aufzeichnungen werden fünf Jahre aufbewahrt und vertraulich behandelt. Sie sind wichtig, falls sich aus einer kleinen Verletzung später Folgen ergeben – nur so lässt sich der Arbeitsunfall nachweisen.
Der Durchgangsarzt
Nach einem Arbeits- oder Wegeunfall muss die verletzte Person einem Durchgangsarzt (D-Arzt) vorgestellt werden, wenn sie über den Unfalltag hinaus arbeitsunfähig ist, die Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert oder Heil- und Hilfsmittel verordnet werden. D-Ärzte sind besonders qualifizierte Unfallärzte. In Notfällen bringt der Rettungsdienst die Person in die geeignete Klinik. Bei mehr als drei Tagen Arbeitsunfähigkeit erstattet der Betrieb eine Unfallanzeige an die Berufsgenossenschaft.
Ihr Schutz als Ersthelfer
Wenn Sie im Betrieb Erste Hilfe leisten, sind Sie über die Berufsgenossenschaft gesetzlich unfallversichert. Hatten Sie Kontakt mit Blut oder anderen Körperflüssigkeiten an Schleimhäuten oder offenen Hautstellen, melden Sie das umgehend und lassen sich beim Betriebs- oder Durchgangsarzt beraten. Waschen und desinfizieren Sie nach jedem Einsatz Ihre Hände.
Das Wichtigste auf einen Blick
Säugling (unter 1 Jahr)
Kind (1 Jahr bis Pubertät)
Atemwege
Kopf in Neutralstellung
Kopf leicht überstrecken
Beginn
5 Beatmungen über Mund und Nase
5 Beatmungen
Drücken
2 Finger oder 2 Daumen, ca. 4 cm
1–2 Handballen, ca. 5 cm
Rhythmus
30 × drücken : 2 × beatmen, 100–120 pro Minute
Ersticken
Rückenschläge + Brustkorbkompressionen
Rückenschläge + Oberbauchkompressionen
Pseudokrupp
Meist nachts erwachen Kleinkinder mit bellendem Husten, Heiserkeit und pfeifender Einatmung. Beruhigen Sie das Kind – Angst verschlimmert die Atemnot. Nehmen Sie es auf den Arm, setzen Sie es aufrecht hin und lassen Sie es kühle, feuchte Luft atmen, etwa am offenen Fenster. Rufen Sie den Kinderarzt oder Bereitschaftsdienst; bei starker Atemnot, bläulichen Lippen oder Speichelfluss den Notruf 112.
Fieber ist eine sinnvolle Abwehrreaktion. Achten Sie darauf, dass das Kind genug trinkt, und kleiden Sie es luftig. Zum Arzt sollten Sie bei Säuglingen unter drei Monaten schon bei Temperaturen ab 38 °C, bei sehr hohem oder lang anhaltendem Fieber, bei Teilnahmslosigkeit, Trinkverweigerung, Hautausschlag oder Nackensteife. Fiebersenkende Medikamente nur in der für Alter und Gewicht passenden Dosis nach Packungsbeilage oder ärztlicher Anweisung.
Unfälle vermeiden
Die meisten Kinderunfälle passieren zu Hause. Mit wenig Aufwand lassen sich viele verhindern:
Beim Wickeln immer eine Hand am Kind.
Steckdosen, Treppen und Fenster sichern, Möbel kippsicher befestigen.
Heiße Getränke, Töpfe und Wasserkocher außer Reichweite; Topfgriffe nach hinten drehen.
Kleinteile, Knopfbatterien, Magnete, Nüsse und Weintrauben (ganz) von Kleinkindern fernhalten.
Kinder am und im Wasser nie unbeaufsichtigt lassen – auch nicht im Planschbecken.
Medikamente und Reinigungsmittel verschlossen aufbewahren.
Mehr dazu im KursIm Kurs „Erste Hilfe am Kind“ der EH Campus üben Eltern, Großeltern und Fachkräfte alle Maßnahmen an Kinder- und Babypuppen – praxisnah und in kleinen Gruppen.
Belastende Erlebnisse verarbeiten
Wer Erste Hilfe geleistet hat, erlebt danach oft starke Gefühle: Unruhe, Schlafstörungen, immer wiederkehrende Bilder, Zweifel („Habe ich alles richtig gemacht?“) oder auch Traurigkeit, wenn jemand nicht überlebt hat. Das sind normale Reaktionen auf ein außergewöhnliches Ereignis. Sie klingen meist nach einigen Tagen bis Wochen ab.
Sprechen Sie mit Menschen, denen Sie vertrauen – über das, was passiert ist, und über Ihre Gefühle.
Gönnen Sie sich Ruhe, Bewegung und einen geregelten Alltag.
Machen Sie sich bewusst: Sie haben geholfen. Ob ein Mensch überlebt, hängt von vielen Umständen ab, die nicht in Ihrer Hand liegen.
Halten die Beschwerden länger als vier Wochen an oder belasten Sie stark, holen Sie sich professionelle Unterstützung – über Ihre Hausärztin, die Notfallseelsorge, den Betriebsarzt oder Ihre Berufsgenossenschaft.
MerkeHilfe anzunehmen ist keine Schwäche. Auch Rettungskräfte sprechen nach schweren Einsätzen mit Fachleuten.
Nach dem Einsatz praktisch
Handschuhe richtig ausziehen (die Außenseite nicht berühren) und entsorgen, Hände waschen und desinfizieren.
Verbrauchtes Material im Verbandkasten ersetzen.
Im Betrieb: Eintrag in Verbandbuch oder Meldeblock.
Geben Sie dem Rettungsdienst alle Beobachtungen weiter: Was ist passiert? Was haben Sie getan? Seit wann?
Bleiben Sie in Übung
Erste Hilfe ist Handwerk. Wer die Handgriffe regelmäßig übt, handelt im Ernstfall sicherer und schneller. Wir empfehlen allen – nicht nur betrieblichen Ersthelfenden –, das Wissen spätestens alle zwei Jahre in einem Kurs aufzufrischen.