Ein Mensch liegt reglos auf dem Boden, reagiert nicht und Sie wissen nicht, was passiert ist. In diesem Moment kann es entscheidend sein, eine bewusstlose Person richtig anzusprechen. Nicht, weil ein Satz allein das Problem löst, sondern weil Sie damit schnell prüfen, ob die Person ansprechbar ist und welche Hilfe als Nächstes nötig wird.
Viele Menschen haben Respekt vor solchen Situationen. Das ist verständlich. Erste Hilfe verlangt jedoch keine perfekte Diagnose. Sie verlangt einen klaren Ablauf: Situation sichern, Reaktion prüfen, Hilfe organisieren, Atmung kontrollieren und die passenden Maßnahmen beginnen.
Bewusstlose Person richtig ansprechen: der erste Kontakt
Nähern Sie sich nur, wenn Sie sich selbst nicht in Gefahr bringen. Verkehr, Strom, Rauch, instabiler Untergrund oder aggressive Personen können aus einem Notfall schnell zwei machen. Ist die Umgebung sicher, gehen Sie zur Person und sprechen Sie sie laut und deutlich an.
Sagen Sie zum Beispiel: „Hallo, können Sie mich hören?“ oder „Ist alles in Ordnung?“ Sprechen Sie die Person direkt an, gern mehrfach und mit klarer Stimme. Beugen Sie sich dabei nicht so weit über das Gesicht, dass Sie selbst gefährdet sind oder die Person unbeabsichtigt bedrängen.
Reagiert sie nicht, fassen Sie die Person vorsichtig an beiden Schultern an und rütteln Sie leicht. Ein sanfter Reiz reicht aus. Schütteln Sie niemals heftig, schlagen Sie nicht ins Gesicht und versuchen Sie nicht, durch Wasser, Essen oder Getränke eine Reaktion auszulösen. Das kann schaden oder zum Verschlucken führen.
Eine Reaktion kann sehr unterschiedlich aussehen: Die Person öffnet die Augen, spricht, stöhnt, bewegt sich gezielt oder drückt Ihre Hand. Dann ist sie nicht bewusstlos, braucht aber möglicherweise trotzdem ärztliche Hilfe. Bleiben Sie bei ihr, beruhigen Sie sie und prüfen Sie, ob Beschwerden wie Brustschmerz, Atemnot, Lähmungen, starke Blutungen oder Verwirrtheit vorliegen.
Bleibt jede Reaktion aus, behandeln Sie die Person als bewusstlos und handeln Sie ohne Verzögerung weiter.
Was Bewusstlosigkeit bedeutet
Eine bewusstlose Person nimmt ihre Umgebung nicht wahr und kann nicht selbstständig auf Ansprache oder Berührung reagieren. Besonders gefährlich ist, dass die Schutzreflexe eingeschränkt sein können. Die Zunge kann die Atemwege verlegen, Erbrochenes kann eingeatmet werden und eine zunächst unauffällige Situation kann rasch lebensbedrohlich werden.
Die Ursache müssen Ersthelfende nicht herausfinden. Sie kann von einer Kreislaufstörung über Unterzuckerung, Krampfanfall, Schlaganfall oder Vergiftung bis zu einer Kopfverletzung reichen. Entscheidend ist nicht, zu spekulieren, sondern Atmung und Bewusstsein zuverlässig zu kontrollieren.
Hilfe rufen und Atmung prüfen
Rufen Sie laut nach Unterstützung. Wenn andere Menschen in der Nähe sind, sprechen Sie einzelne Personen konkret an: „Sie mit der blauen Jacke, rufen Sie bitte 112.“ Eine direkte Ansprache verhindert, dass alle denken, jemand anderes werde schon helfen.
Sind Sie allein, rufen Sie den Notruf 112 selbst. Moderne Leitstellen begleiten Sie am Telefon und geben klare Anweisungen. Beschreiben Sie kurz, wo Sie sind, was passiert ist und dass eine Person nicht reagiert. Legen Sie erst auf, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet.
Danach prüfen Sie die Atmung. Überstrecken Sie dafür vorsichtig den Kopf, indem Sie eine Hand auf die Stirn legen und das Kinn anheben. Schauen Sie auf den Brustkorb, hören Sie auf Atemgeräusche und fühlen Sie den Luftstrom an Ihrer Wange. Diese Kontrolle dauert höchstens zehn Sekunden.
Normale Atmung bedeutet regelmäßige, ruhige Atemzüge. Vereinzeltes Schnappen, Röcheln oder unregelmäßiges Keuchen ist keine normale Atmung. Gerade in den ersten Minuten eines Herz-Kreislauf-Stillstands kann eine sogenannte Schnappatmung auftreten. Wer unsicher ist, sollte sie nicht als normale Atmung werten.
Normale Atmung: stabile Seitenlage und Beobachtung
Atmet die bewusstlose Person normal, bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Sie hält die Atemwege frei und sorgt dafür, dass Erbrochenes oder Flüssigkeit aus dem Mund ablaufen kann. Kontrollieren Sie danach immer wieder die Atmung, bis der Rettungsdienst eintrifft.
Die stabile Seitenlage sollte in einem Erste-Hilfe-Kurs praktisch geübt werden. Im Grundsatz drehen Sie die Person kontrolliert auf die Seite, lagern den Kopf leicht nach hinten und öffnen den Mund zum Boden hin. Achten Sie darauf, dass sie nicht wieder auf den Rücken rollt und der Brustkorb sich weiter hebt und senkt.
Bei Verdacht auf eine Wirbelsäulenverletzung, etwa nach einem Sturz aus größerer Höhe oder einem Verkehrsunfall, bewegen Sie die Person möglichst schonend. Wenn sie bewusstlos ist und normal atmet, haben freie Atemwege dennoch Vorrang. Eine Seitenlage kann dann notwendig sein. Halten Sie Kopf und Körper beim Drehen möglichst in einer Linie und vermeiden Sie unnötige Bewegungen.
Decken Sie die Person gegen Kälte ab, ohne sie zu überhitzen. Geben Sie nichts zu essen oder zu trinken. Auch Medikamente dürfen Sie einer bewusstlosen Person nicht verabreichen. Bleiben Sie bei ihr, beruhigen Sie sie, falls sie wieder zu sich kommt, und übergeben Sie wichtige Beobachtungen an den Rettungsdienst: Wann wurde sie gefunden? Wie hat sie reagiert? Gab es einen Sturz, Krämpfe oder erkennbare Verletzungen?
Keine normale Atmung: sofort Wiederbelebung beginnen
Atmet die Person nicht normal oder sind Sie sich nicht sicher, beginnen Sie direkt mit der Herz-Lungen-Wiederbelebung. Legen Sie beide Hände übereinander auf die Mitte des Brustkorbs und drücken Sie den Brustkorb kräftig und schnell etwa 100 bis 120 Mal pro Minute ein. Bei Erwachsenen beträgt die Drucktiefe ungefähr fünf bis sechs Zentimeter. Entlasten Sie den Brustkorb nach jeder Kompression vollständig.
Wenn Sie in der Beatmung geschult sind und sie sich zutrauen, folgen auf 30 Herzdruckmassagen zwei Atemspenden. Wenn Sie nicht beatmen möchten oder können, führen Sie die Herzdruckmassage ohne Unterbrechung fort. Der entscheidende Punkt ist: Nicht abwarten. Jede Minute ohne Wiederbelebung verschlechtert die Überlebenschance.
Ist ein AED, ein automatisierter externer Defibrillator, verfügbar, lassen Sie ihn holen oder holen Sie ihn selbst, wenn dadurch die Wiederbelebung nicht lange unterbrochen wird. Schalten Sie das Gerät ein und folgen Sie den Sprachansagen. AEDs sind so gestaltet, dass auch Laien sie sicher anwenden können. Während der Analyse und einer möglichen Schockabgabe darf niemand die Person berühren.
Setzen Sie die Maßnahmen fort, bis der Rettungsdienst übernimmt, die Person wieder eindeutige Lebenszeichen zeigt oder Sie körperlich nicht mehr können.
Was Sie beim Ansprechen vermeiden sollten
Gut gemeinte Reaktionen kosten manchmal wertvolle Zeit. Vermeiden Sie es, eine reglose Person erst minutenlang zu beobachten oder mit vielen Fragen zu überfordern. Wer nicht reagiert, braucht keine lange Ansprache, sondern den nächsten Schritt der Erste Hilfe.
Auch gefährlich: die Person allein lassen, sie aufsetzen, ohne die Atmung zu prüfen, oder ihr etwas in den Mund geben. Bei einem Krampfanfall sollten Sie die Person ebenfalls nicht festhalten und nichts zwischen die Zähne schieben. Schützen Sie sie vor Verletzungen, messen Sie gedanklich die Dauer des Anfalls und prüfen Sie danach Bewusstsein und Atmung.
Ein weiterer häufiger Fehler ist die Scheu vor dem Notruf. Die 112 ist bei Bewusstlosigkeit immer richtig. Sie müssen nicht sicher wissen, was die Ursache ist. Dafür sind Rettungsdienst und Notärztinnen oder Notärzte da.
Warum Übung den Unterschied macht
Den Ablauf zu kennen, ist hilfreich. Ihn einmal mit den eigenen Händen geübt zu haben, gibt im Ernstfall deutlich mehr Sicherheit. Wie fest darf ich an den Schultern rütteln? Woran erkenne ich normale Atmung? Wie fühlt sich die stabile Seitenlage an? Diese Fragen lassen sich praktisch besser beantworten als nur durch Lesen.
Gerade betriebliche Ersthelfer, Eltern, Trainerinnen und Trainer, Pflegekräfte sowie Menschen mit Verantwortung im Verein profitieren von regelmäßigen Auffrischungen. Bei EH Campus steht deshalb nicht das Auswendiglernen im Mittelpunkt, sondern das sichere Handeln in realistischen Situationen. Denn eine klare Ansprache, ein gezielter Blick auf die Atmung und der Mut zum Notruf sind Fähigkeiten, die im Alltag Leben schützen können.
Sie müssen in einem Notfall nicht alles wissen. Es genügt, den ersten Schritt zu machen, bei der Person zu bleiben und den Ablauf konsequent weiterzuführen. Diese Bereitschaft kann für einen anderen Menschen den entscheidenden Unterschied bedeuten.
